Rohlinge - Original oder Fälschung ?

Unter dem Begriff "Rohling" versteht der Ü-Ei-Sammler im allgemeinen eine noch völlig unbemalte Figur.
Solche Figuren wurden also vor der Bemalung ausgesondert und geraten hin und wieder auch in Sammlerhände.
Da sich Rohlinge immer schon einer gewissen Beliebtheit erfreuten, werden sie auch schon lange gefälscht.
Das Erkennen solcher Fälschungen ist zum Teil sehr schwer oder auch gar nicht möglich.
Daher war und ist der Kauf von Rohlingen im besonderem Maße eine Frage des Vertrauens.
Da bekanntlich Vertrauen gut ist, Kontrolle aber besser, wollen wir hier versuchen etwas mehr Licht in diese sehr schwierige und auch komplexe Thematik zu bringen.

Wir haben uns gefragt, welche Arten von originalen und gefälschten Rohlingen wir überhaupt kennen
und waren überrascht, wie viel da doch zusammen kommt. Dabei entstand die folgende Liste.

 

1. Originale

a) Das Material und die Kennung ist identisch mit der Serienfigur. Die Figur kann aus einem Stück sein oder mehrteilig. Wenn sie mehrteilig ist, können die Einzelteile zusammengeklebt oder lose sein. Solche Stücke existieren auch als perfekte Fälschungen oder zumindest fast perfekte Fälschungen.

Als Beispiel zeigen wir hier einen Eddy Eigentor, der aus zwei Teilen besteht (zusammengeklebt). Außerdem eine Hüpfseil-Schlumpfine und einen Stelzenschlumpf. Die beiden Schlümpfe stammen aus erster Hand von einem ehemaligen Mitarbeiter. Er hat sie auf einem Flohmarkt in Frankfurt damals für zusammen 20 Pfennig verkauft. Hier kann man aufgrund der Vorgeschichte von Originalen ausgehen.


 
 

b) Eine Besonderheit sind teilbemalte Rohlinge.
Die Figuren entsprechen den unter a) aufgeführten Rohlingen. Aber sie sind schon etwas bemalt. Interessanterweise sind davon eher ausländische Figuren betroffen bzw. bekannt. Auch diese Figuren sind fälschbar.

Als Beispiel zeigen wir hier zwei Ranopla-Frösche, die grün bemalt sind und Zwerge, die schon etwas im Gesicht bemalt sind. Die Figuren sind noch nicht zusammengeklebt und es fehlt teilweise etwas (ein Arm usw.).


 
 
c) Das Material ist farblich identisch mit der Serienfigur, es fehlt aber die Kennung. Meist sind diese Figuren ungeklebt, wenn sie mehrteilig sind. Es handelt sich hierbei vermutlich um Testfiguren, um die Funktionalität der Form zu überprüfen.
Solche Stücke sind theoretisch auch fälschbar, uns bisher aber nicht bekannt.

Als Beispiel zeigen wir hier einen Tranquillino aus Einzelteilen.
Er hat keine Kennung. Der Kunststoff ist weiß, wie bei der Serienfigur.


 
 
d) Das Material ist farblich anders als bei der Serienfigur, mit oder ohne Kennung und meist ungeklebt. Auch hierbei handelt es sich vermutlich um Testfiguren, um die Funktionalität der Form zu prüfen. Von solchen Stücken existieren Dental-Fälschungen, die aber anhand von doppelten Gussnähten usw. erkennbar sind.
Als Beispiel zeigen wir hier einen lila Hippi Hippo, einen dunkelgrünen Dribbel Drago und eine Sonne in verschiedenen Farben. Und dazu noch eine Juwelina, bei der auch das Zubehör andersfarbig (eine Testversion) ist. Auch der Zwerg ist etwas anders gefärbt als die Serienfigur.

 
 

e) Originale, die aber vermutlich nicht aus dem Ü-Ei sind. Es existieren von manchen Altfiguren Rohlinge, die vermutlich aus dem Spielwarenhandel stammen. Solche Stücke sind theoretisch auch fälschbar, uns bisher aber nicht bekannt.

Als Beispiel zeigen wir hier eine Alice und dazu drei verschieden farbige Rohlinge der Alice. Es wird vermutet, dass die Rohlinge aus Kaugummiautomaten oder Wundertüten stammen. Dazu muss auch gesagt werden, dass auch die Ü-Ei-Herkunft der bemalten Figur sehr umstritten ist.

 

 

2. Fälschungen

a) Fälschungen, bei denen originale Figuren ablackiert wurden.
Es existieren Lösemittel, mit denen man die Farbe von den Figuren abwaschen kann, ohne den Rohling
dabei zu beschädigen. Solche Figuren sind manchmal an Verfärbungen im Plastik zu erkennen oder
an winzigen Farbpartikeln, die übersehen wurden. Es existieren aber auch perfekt ablackierte Stücke, die
nicht als Fälschung erkennbar sind.

Als Beispiel haben wir drei häufige Fälschungen herausgesucht. Einen Panzerknacker, einen Hippo und
einen Tapsi Törtel. Entfärbte Tapsi Törtels haben oft ein verfärbtes Grundmaterial. Dort sind Bestandteile
der grünen Bemalung ins ehemals weiße Grundmaterial eingedrungen, die mit Lösemittel nicht
heraus gewaschen werden können. Der Panzerknacker und der Hippo verraten sich nur durch kleinste
Farbpartikel, die nicht entfernt wurden. Man kann bei solchen Figuren auch schauen, ob am Abrisspunkt
oder in schwer zugänglichen Stellen Kratzspuren zu erkennen sind. Dort wurden dann mit einem scharfen
Gegenstand restliche Farbpartikel weggekratzt.

 

b) Fälschungen, bei denen originale Figuren gesandstrahlt wurden.
Mit Labor-Sandstrahlgeräten kann man die Farbe praktisch perfekt von den Figuren herunterholen.
Es bleiben selbst in kleinsten Ecken keinerlei Farbpartikel zurück. Die Figuren bekommen dadurch eine matte Oberfläche, die nachträglich aufpoliert wird, um den Glanz von Originalen zurückzuerhalten.
Wir halten die auf diese Weise hergestellten Rohlings-Fälschungen für nahezu perfekt und kaum prüfbar.

Als Beispiel zeigen wir einen Hippo, den Ute für uns dreimal gefertigt hat. Einmal als halbe Fälschung, an der man sehr schön sehen kann wie exakt man mit diesen Geräten arbeiten kann.
Wir möchten in diesem Zusammenhang an das Hüpfseil-Schlumpfinchen mit unbemaltem Sockel erinnern!

Der zweite gefertigte Hippo ist komplett ablackiert, aber noch matt vom Sandstrahlen. Der dritte ist dann zusätzlich poliert. Leider kommt das auf dem Bild nicht so rüber. Deswegen haben wir noch einen gefälschten Sackhüpfschlumpf abgebildet, bei dem die Polierung besser erkennbar ist. Durch Sandstrahlen hergestellte Rohlinge sind natürlich leicht erkennbar, wenn sie nicht poliert wurden. Polierte Stücke kann man eventuell an schwer zugänglichen, matten Stellen erkennen. Auch wenn zu stark poliert wurde, ist dies eventuell erkennbar, weil hervorstehende feine Strukturen (Gussnähte, Kennungen) dabei zu glatt werden.

Unser besonderer Dank gilt Ute, die für uns die unten gezeigten Musterstücke angefertigt hat.
Ute ist selber Sammlerin und verfügt aus beruflichen Gründen über die technische Ausrüstung zur Herstellung solcher Fälschungen.

   
   
c) Dental-Replikate, bei denen als Vorlage ein Original benutzt wurde. Fälscher, die mit dentalen Techniken Figuren abformen und fälschen, produzieren zunächst natürlich einen unbemalten Rohling. Solche Dental-Rohlinge werden zuweilen auch bewusst in unüblichen Farben hergestellt, um sie als seltene Test-Figuren anzubieten. Erkennbar sind diese Fälschungen an doppelten Gussnähten usw.

Als Beispiel zeigen wir hier einen schwarzen unschuldigen Pumuckl, sowie einige andere unbemalte Dental-Replikate.

   
   
d) Fälschungen, bei denen die Farbe abgekratzt wurde. Durch ungeeignete Lagerung kommt es vor, dass bei einigen alten Figuren, die Farbe auch mal von selber abblättert. Hier kann man mit einfachen Mitteln noch etwas nachhelfen und erzeugt so Rohlinge.
Erkennbar sind sie am ehesten durch minimale Farbreste, die noch irgendwo haften.

Der Negerkuss-Schlumpf aus unserem Beispiel wurde nur mit Wasser und einem Holzstab bearbeitet. Die Farbe an den Augen wurde bewusst nicht entfernt, um die Fälschung erkennbar zu machen. Es sind auch sonst vereinzelt noch andere Stellen sichtbar, an denen kleine Farbpartikel zurückgeblieben sind.

   
   

e) normale Fälschungen, die nicht bemalt wurden.
Es existieren natürlich auch Rohlinge von Fälschungen.

Als Beispiel zeigen wir hier den Regenkobold, den lustigen Musikanten und einen Astronauten aus dem verbreiteten 21teiligen Replika-Satz. Diese Figuren sind nach der Produktion nicht bemalt worden.

Genau genommen handelt es sich hierbei also um originale Rohlinge von Fälschungen. Erkennbar sind diese Figuren an den Merkmalen, an denen man die bemalten Fälschungen auch erkennt (Gussnaht,  Abrisspunkt usw.).

   
   
f) Fälschungen, die auf uns unbekannte Art hergestellt wurden. Hier zeigen wir eine Fälschung, von der wir nicht genau wissen, wie sie hergestellt wurde bzw. wie die Farbe entfernt wurde. Es sind aber an manchen Stellen Kratzspuren sichtbar.
Das Interessante ist, dass die Figur zerlegbar ist. Der Fälscher wollte die Figur dadurch originaler erscheinen lassen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine ehemals geklebte Figur, die gewaltsam wieder in die Einzelteile zerlegt wurde.

Erkennbar ist dies an Kleberresten an der Figur und auch daran, dass an einer Stelle Material ausgebrochen ist.

Ein besonderer Dank geht an Boris.
Ohne seine unermüdlichen Recherchen wäre auch dieser Bericht nicht möglich gewesen.

Ich und alle Sammler sagen Danke.

 

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